26. Juli 2019

Ich will von der Lobby ins Penthouse!

Interview mit David Krämer

David KRÄMER, unser erster NBA-Spieler aus dem UNGER STEEL Gunners Nachwuchsprogramm ist zur Zeit zu Hause auf Urlaub. Wir haben David in der Sporthalle Oberwart zu einem Interview getroffen:

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David, herzlichen Glückwunsch! Wie fühlst du Dich?

Danke. Ich fühle mich bestens. Es gibt Augenblicke wo ich es noch nicht glauben kann, dass ich diese Chance erhalte. Es ist eine Chance, die ich unbedingt nutzen will! Dafür werde ich alles tun!

 

Beschreibe uns diese Chance ein bisschen!

Wenn man die NBA als Wolkenkratzer sieht, dann stehe ich jetzt am Eingang in der Lobby. Ich will aber nicht in der Lobby stehen bleiben und warten was passiert. Ich will in die oberen Stockwerke, oder ganz oben in das Penthouse am Dach (lacht).

 

Du wurdest von keinem NBA-Klub gedraftet, bist also kein klassischer „draft pick“ wie es Jakob Pöltl war. Wie kam es jetzt zu diesem Engagement bei den Phoenix Suns?

Meine Agentur hat gewusst, dass ich jede noch so kleine Chance wahrnehmen werde, um es eines Tages in die NBA zu schaffen. Ich wollte eigentlich vor einigen Wochen zum NBA-Camp nach Monaco, aber das wurde abgesagt.

Mein Agent hat mich dann informiert, dass ich die Chance bekomme mich bei einem „Pro Day“ in Los Angeles zu präsentieren. Diese Pro Days finden jedes Jahr in L.A. statt. Agenturen präsentieren ihre Spieler und alles was in der NBA im Scouting und Recrouting Rang und Namen hat, schaut sich das an. Ich bin also am Tag unserer letzten Niederlage in den BBL Play Offs gegen ALBA Berlin von Berlin über München nach Ulm geflogen, habe sofort meine Sachen gepackt und bin direkt von Ulm zurück nach München und weiter nach Los Angeles. Noch am Tag meiner Ankunft war dort das Training, wo mir alle Persönlichkeiten wie Vlade Divac, Pat Riley, Predrag Stojakovic und viele andere zugesehen haben. Offenbar dürfte es gepasst haben, denn schon kurz danach hat mich mein Agent informiert, dass ich von den Phoenix Suns ins Team zur NBA Summerleague nach Las Vegas eingeladen werde.

 

Was ging da in dir vor als du von der Einladung erfahren hast?

Ich war natürlich sehr glücklich, aber ich wusste, dass eine Einladung bei der NBA-Summerleague zu spielen noch lange keinen NBA-Vertrag zur Folge hat. Ich blieb in Santa Barbara um zu trainieren und war auch bei zwei „Pre Draft Work Outs“ bei den New York Knicks und den Boston Celtics. Ende Juni flog ich dann nach Phoenix und Anfang Juli mit den Suns zur Summerleague nach Las Vegas.

 

Wie ist es dir in der Summerleague gegangen?

Anfangs war es kurios, weil unser erstes Spiel wegen eines Erdbebens in Las Vegas nicht stattfinden konnte. Im zweiten Spiel gegen die NY Knicks kam ich gar nicht zum Einsatz. Ich blieb aber positiv fokussiert und glaubte fest daran, dass ich meine Chance bekomme. Im dritten Spiel gegen Memphis war es dann auch so. Ich spielte 6-7 Minuten und bot eine gute Leistung. Im vierten Spiel gegen die Spurs habe ich sogar gestartet, hatte ca. 15 Minuten Spielzeit und erzielte 8 Punkte. Auch im letzten Spiel gegen China durfte ich starten.

 

Hast du in diesem Moment daran geglaubt, dass es mit einem Vertrag bei den Suns klappen könnte?

Ich habe immer daran geglaubt, weil ich an mich selbst glaube. Mein Agent meinte zwar, dass es nicht leicht sein wird, weil viele sehr gute Spieler in die NBA wollen, aber es hat geklappt. Vor wenigen Tagen erhielt ich zu Hause in Bad Tatzmannsdorf die Nachricht, dass ich von den Phoenix Suns einen Vertrag bekomme.

 

Du hast den Vertrag in Bad Tatzmannsdorf unterschrieben?

Ja. Ich bin derzeit zu Hause bei meiner Mutter, weil ich aus Österreich oder Deutschland mein Arbeitsvisum für die USA beantragen muss. Außerdem versuche ich mich ein wenig im Kopf zu erholen. Es war doch alles ein wenig viel in letzter Zeit.

 

Wie sieht dein Vertrag aus?

Der Vertrag heisst „exhibition 10 contract“ und läuft ein Jahr. Ich bin jetzt im NBA Programm der Phoenix Suns und man wird sehen was ich daraus mache. Mitte August fliege ich nach Phoenix zum Trainingsstart. Dann wird es von meiner Entwicklung abhängen, ob ich im G-League Team der Suns (Anm.: die NBA G-League ist die „farm team“ Liga der NBA) spiele oder auch im NBA Team meine Chance bekomme.

 

Welche Rolle spielten die Gunners auf deinem Weg in die NBA?

Eine sehr große und wichtige! Die Gunners sind mein Heimatklub und das wird auch immer so bleiben. Ich habe hier schon mit vier Jahren bei den Minis mitlaufen dürfen, obwohl ich dafür noch gar nicht alt genug war. Seit damals bin ich bis zu meinem 16. Lebensjahr alle Stationen des Gunners Nachwuchsprogramms durchlaufen und habe eine Ausbildung bekommen, für die ich sehr dankbar bin. Obwohl ich danach auch bei Ulm in Deutschland sehr gute Bedingungen vorgefunden habe, habe ich meine Zeit und alles was ich hier in Oberwart lernen durfte sehr schätzen gelernt. Wenn man ein wenig in die Welt hinauskommt erkennt man erst welch gute Arbeit hier in diesem kleinen Oberwart mit beschränkten Mitteln gemacht wird.

 

Man kann also durchaus von den Gunners in die NBA kommen?

Ja, natürlich, aber es ist nicht leicht. Man muss schon selbst sehr viel dafür tun und klare Ziele konsequent verfolgen. Ich wusste sehr früh, was ich wirklich will und habe alles in meinem Leben diesem Weg untergeordnet. Man braucht viel Willen, Disziplin und natürlich auch Glück.

 

David, dieses Glück wünschen wir Dir auch weiterhin. Wir sind sehr stolz auch Dich und freuen uns, dass du der erste Gunner bist, der es in die NBA geschafft hat.

Danke. Wie gesagt, ich stehe erst am Eingang zur besten Basketballliga der Welt. Jetzt geht es erst richtig los für mich. Ich wünsche den Gunners alles Gute für die neue Saison und werde immer mitfiebern. Und soweit es möglich ist, komme ich auch gerne nach Hause um ein Spiel zu sehen.